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Pastor Lim berichtet nach seiner Freilassung

Die Hoffnung nicht aufgeben!

AK-Treffen 19. Juli 2014

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Im Mittelpunkt des Treffens standen die Gäste:

  • Der pakistanische Pfarrer und Menschenrechtler Father Nisar Barkat (Faisalabad).
  • Vier Mitglieder Assyrischer Vereinigungen in Deutschland, darunter Silvia Kulan und John Gültekin.

Father Nisar ist neben seiner Tätigkeit als Pfarrer der Gemeinde Maria Himmelfahrt in Faisalabad Leiter der Menschenrechtskommission, des interreligiösen und ökumenischen Dialogs im Bistum Faisalabad. Seine Ausführungen können hier nur skizziert werden. In einer männerorientierten Gesellschaft werden von ihm und seinen Mitarbeitern Frauenseminare, Seminare für die Jugend und Krankenschwestern gehalten. Ein Schwerpunkt lag auf dem Projekt „Bildung statt Kinderarbeit“, auf das er ausführlich einging. In Schulbüchern werden alle Nichtmuslime herabgestuft. Es gibt das Problem der Zwangsheirat und Zwangsislamisierung für Christinnen, die bekannten Anklagen nach dem berüchtigten Blasphemiegesetz und Terror nicht nur gegen Christen. Im interreligiösen Dialog hat er guten Kontakt zu anderen Muslimen. Interreligiöser Dialog mit den Ahmadiyya-Muslimen ist für ihn nicht möglich.

Silvia Kulan und John Gültekin berichteten via Powerpoint-Präsentation über ihre Erlebnisse während ihrer Hospitation im Irak, von der sie erst vor kurzem nach Deutschland zurückkehrten.Unter anderem führten sie aus: Es gibt ein Überhandnehmen von politisch und religiös motivierter Gewalt. Es gibt Morde, Entführungen und Vergewaltigungen, Angriffe auf kirchliche und politische Einrichtungen. Vor dem Krieg 2003 gab es 1,4 Mio. Assyrer im Irak, heute noch ca. 0,5 Mio. Viele Binnenflüchtlinge im Norden leben unter erschwerten Bedingungen. In den angrenzenden Ländern leben die assyrischen Flüchtlinge oft in desolaten Lebenssituationen. 700 Familien sind in den Libanon gegangen, 1000 nach Syrien, 600 in die Türkei und hunderte weitere in anderen Mittelostländern (nur registrierte Flüchtlinge).

Rückblick auf Veranstaltungen:

  • Herr Flick berichtete vom AK Religionsfreiheit der IGFM-Jahresversammlung in Bonn.

Prof. Thomas Schirrmacher hielt einen Vortrag zum Thema: „Die Verfolgung christlicher und anderer religiöser Minderheiten weltweit – Eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme“. Eine wichtige Erkenntnis ist für ihn, dass es Religionsfreiheit nur wirklich gibt, wenn es die Mehrheitsreligion will. Die christlichen Kirchen haben sich erstmals im Juni 2011 auf einen gemeinsamen Kodex zur Mission geeinigt. Mission darf nur friedlich sein und muss die Würde des Menschen achten. Die Kirchen rücken im Einsatz für Religionsfreiheit mehr zusammen. Es gibt jetzt eine politische Bewegung für die Religionsfreiheit. Die Unterdrückung der Religionsfreiheit nimmt weltweit zu. Dies kann man an einem vom Pew Research Center in Washington veröffentlichten „Government Restriction Index“ ablesen.

Bei einer Skala von 1 – 5  ist ‚5‘ der Wert mit der höchsten Unterdrückung von Religionsfreiheit. Waren bis vor kurzem ein Drittel der Länder weltweit in der Kategorie 4 oder 5, sind es im Februar 2014 72% der Länder mit 73% der Weltbevölkerung.

Indien ist beispielsweise in der Kategorie 4. In der Hälfte der 35 Unionsstaaten kam es zu keinen religiösen Übergriffen, in den fünf Unionsstaaten mit nationalreligiöser BJP-Regierung gab es im zurückliegenden Jahr allerdings jeweils über 40 Fälle.

Dies ist ein nicht nur auf Indien beschränktes Phänomen, dass der religiöse Nationalismus steigt. Indien definiert sich immer mehr über die Religion.

Ähnliches gilt für die Türkei, wo der klassische politische Nationalismus zugunsten des religiösen Nationalismus zurückgeht.

Die meisten der etwa weltweit 2,3 Milliarden Christen leben in Ländern mit Religionsfreiheit. Rund 200 bis 300 Millionen Christen leider unter Unterdrückung bis hin zur Verfolgung. Ist das Christentum die am meisten verfolgte Religion?

Von den absoluten Zahlen der Fälle her sind Christen am meisten betroffen. Bei Inhaftierungen gibt es prozentual mehr Bahais und Zeugen Jehovas. Allerdings sind Christen am meisten auch von direkter Gewalt wie Kirchenzerstörungen tangiert.

Herr Ernst stellte den AK-Blog Religionsfreiheit „Hilferufe für Glaubensgefangene“ (www. religionsfreiheit-igfm.info) vor. Man findet hier Artikel, Appelle, „Gefangene des Monats“, Infos zu Veranstaltungen, Termine, Dokumente zur Religionsfreiheit, IGFM-News, Spendenformulare, Mitgliedsanträge u.a.. Es wird auch die Menschenrechtslage von nichtchristlichen Minderheiten berücksichtigt.

Herr Flick zeigte eine kleine Powerpoint-Präsentation mit „Gefangenen des Monats“. Er berichtete über das seit 2002 laufende Projekt.

Nach der Erläuterung einer Weltkarte zur Christenverfolgung stellte Herr Flick kurz Gefangene aus Nordkorea, aus Eritrea, aus dem Iran und der Volksrepublik China vor.

Die meisten um des Glaubens willen gefangenen Christen gibt es in Nordkorea, gefolgt von Eritrea. Im Iran werden immer wieder Mitglieder aus Freikirchen und Konvertiten verhaftet und in Pakistan gib es das berüchtigte Blasphemiegesetz.

Herr Flick wies darauf hin, dass es immer wieder zu Freilassungen bei „Gefangenen des Monats“ kommt. Bei zwölf Fällen im Jahr 2013 sind im April 2014 mindestens in drei Fällen Freilassungen erfolgt.

Mohamed Ibrahim vom European Rohingya Council schilderte die katastrophale Situation der Rohingya-Muslime in Myanmar. Sie sind eine verfolgte und massiv bedrohte ethnisch-religiöse Minderheit von 800.000 bis 1,2 Millionen Menschen im überwiegend buddhistischen früheren Burma. 1982 wurde ihnen die Staatsangehörigkeit aberkannt.

Sie dürfen sich nicht frei bewegen, werden z.B. nicht im Krankenhaus aufgenommen und dürfen nur 2 Kinder haben. 125000 leben unter erbärmlichen Zuständen in Lagern, 65000 sind bereits in Nachbarländer geflüchtet, Hunderte sind in den letzten Jahren Opfer von Pogromen und Ausschreitungen geworden. Das Verhalten der Regierung und von nichtstaatlichen Akteuren grenzt an einen Völkermord. Herr Ibrahim zeigte einen eindringlichen Film zur Lage.

Herr Jochen Langer ging auf die aktuelle Lage in Syrien ein. Seit März 2011 hat der Bürgerkrieg eingesetzt. Ungefähr die Hälfte der 23 Millionen Einwohner befindet sich auf der Flucht, davon 3 Millionen im Ausland und 9 Millionen in Syrien selber. In der zerstörten Stadt Homs hält der 75jährige niederländische Jesuitenpater Frans van der Lugt mit noch ca. 60 Christen die Stellung. Die Ordensniederlassung ist zur Zuflucht für viele Menschen geworden, deren Häuser in den seit zwei Jahren andauernden Kämpfen zerstört wurden

2012 lebten in Homs noch 60000 Christen. . Im Februar 2014 hatte Pater van der Lugt mit einem öffentlichen Appell auf die Notlage der Menschen in Homs aufmerksam gemacht, auf den Hunger, die psychische Belastung, mangelnde Sicherheit, die ständigen Bombardements und den Mangel an Medikamenten. Ein Angriff der Regierungstruppen wird im April 2014 erwartet. Pater Frans wollte in Homs ausharren, um das Leid mit den dort verbliebenen Menschen zu teilen. Pater Frans war 1966 nach Syrien gekommen. Anmerkung: Pater Frans wurde am 7. April 2014, einen Tag nach der Jahresversammlung, von einem Anhänger einer Taliban-nahen Gruppe umgebracht. Er hat zusammen mit Pater Ziad Hilal S.J. und Pater Ghassan Saloui den Preis der IGFM-nahen Stephanus-Stiftung 2013 erhalten.

  • Herr Ernst berichtete vom Bodenseekirchentag im Mai 2014: Am Samstag, den 17. Mai 2014, nahmen die IGFM-Sektionen Schweiz und Deutschland am 16. internationalen ökumenischen Bodensee-Kirchentag teil. Unter dem Motto „Verschiedene Religionen, ein Ziel: Religionsfreiheit weltweit“ diskutierten Vertreter verschiedener Religionsgruppen zum Thema „Religionsfreiheit weltweit“ und tauschten Erfahrungen aus. Auf dem Markt der Möglichkeiten informierte die IGFM über Verfolgung und Diskriminierung aus religiösen Gründen.
  •  Herr Holler und Herr Ernst berichteten vom Christustag am 9.6. (Fronleichnam) in Stuttgart. Hier wurde ein IGFM -Infotisch durchgeführt. Es konnten viele Unterschriften – insbesondere zu Pastor Irani und der zum Tode verurteilten Sudanesin Mariam Ibrahim – und gute Gespräche geführt werden
  • Es gab einen Rückblick auf die Ahmadiyya-Jahresversammlung vom 14. Juni – 16. Juni 2014 in Karlsruhe. Über 30000 Teilnehmer waren gekommen. Die IGFM war bei einem Podiumsgespräch über Religionsfreiheit mit dem Präsidenten des Internationalen IGFM-Rates, Prof. Dr. Thomas Schirrmacher, gut vertreten. Weitere Teilnehmer des Podiums waren: Dipl.-Päd. Frank Heinrich, MdB, Imam Said Arif, Abdullah Uwe Wagishauser, Walid Tariq Tarnutzer und RA Muzaffar Chaudhary. IGFM-Vorstandsmitglied Heinz Ernst besuchte die Veranstaltung.
  • Herr Matzke berichtete von der IGFM-Gruppe in Freiburg. Themen sind z.B. Nigeria und Religionsfreiheit. Es gibt regelmäßige Infotische an der Uni Freiburg, so am 29.8. und 26.9. 2014, und Vortragsveranstaltungen, so am 5.9. 19.30 Uhr mit der Pfarrerin Christine Gühne über die wachsende Bedeutung von Migrationsgemeinden. Die IGFM-Gruppe trifft sich im Cafe Satz.
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